Schule 2.0

Ach herrje! Ich nehme hiermit offiziell und vor der ganzen WordPress-Welt alles zurück, was ich jemals Negatives über die Informationspolitik und Elternbeteiligung des Kindergartens, der Grundschule und des Gymnasiums im Oberbayerischen gesagt hatte. Ihr ward super und ich vermisse euch!

Jetzt stecke ich – also wir – nein eigentlich ich, weil Thomas muss nur delete machen – im „Strudel der Deutschen Privaten Auslandsschule“. Und auch wenn es sicher nett gemeint ist (Na, wir wissen ja auch alle: „nett gemeint ist eigentlich…“) fühle ich mich hier mit Informationen dermaßen zugemüllt, dass der Albtraum meiner schlaflosen Nächte folgender ist: Ich vergesse vor lauter Terminen und To Dos und Emails und Nachrichten mein KIND von der Schule mitzunehmen, neben dem ganzen anderen Plunder, an den man denken soll…

Dabei dachte ich naiverweise, dass ja jetzt alles ganz einfach wird, weil ja alle drei Kinder auf die gleiche Schule gehen. Aber weit gefehlt.

Derzeit beherbergt meine Mailbox 140 Emails der Schule. Tendenz rasend steigend. Ich bekomms auch nicht auf die Reihe, da irgend eine Ordnung reinzubekommen…

Also wir haben Emails mit monatlichen (oder wöchentlichen? Äh, keine Ahnung) Elternbriefen. Da steht drin, was alles passiert ist und passieren wird und welche Termine anstehen. Klar soweit. Jetzt betrifft das aber nicht nur unsere Schule, sondern auch noch den anderen Campus und die Termine dort. Hab ich dann schon kapiert. Beim zweiten (oder dritten) Elternbrief. Dann gibt’s für jeden anstehenden Termin nochmal extra Emails. Die kommen dann von der Schulleitung UND von den Elternvertretern UND noch von einem Lehrer – glaub ich. Es gibt Termine, die die Klasse betreffen oder die Schul-Stufe. Also wir haben ein Kind im Kindergarten, eins in der Grundschule und eins in der Mittelschule. Eins bei den Seelöwen, eins in der 2a und eins in der 5b. Jede Klasse und Stufe hat wieder Elternvertreter und Vertrauenslehrer oder sowas und natürlich auch eine Leitung von der Schulstufe und die tun alle ihre Termine und Infos kund.

Noch alle dabei?

Gut. Also. Dann schreiben noch die Lehrer direkt an die Eltern. Das ist auch schön. Und so überflüssig. Da schreibt Johannes Erdkundelehrer: Er hat gestern einen Zettel „Kompetenzcheck“ (schön, gell? Das sind ums ehrlich zu sagen die Fragen – inkl. Lösungsseiten im Buch – für die anstehende Probe) an die Schüler ausgegeben. Weil man aber jetzt den 5.-Klässlern nicht zumuten kann, dass sie diesen Zettel mit nach Hause bringen (sag ich jetzt) schickt er den „Kompetenzcheck“ auch noch mal per Email an die Eltern. Äh, schön auch, sehr vorausschauend… Johannes hat so zehn Fächer. Und zehn Lehrer. Und er schreibt auch in jedem Fach Proben. Und soll in jedem Fach „kompetent“ sein…

Matthias Klassenlehrerin meints auch sehr gut. Sie schreibt, welche Proben anstehen per Email und auch gleich dazu welche Buch- und Arbeitsheftseiten man angucken kann. Das steht dann auch nochmal auf dem wöchentlich kopierten Hausaufgaben-Wochenplan, aber seis drum. Sie macht das für Mathe. Und für Deutsch. Und da gibt es die wöchentlichen Lernwörter-Tests und dann war so Leseprobe und Grammatiktest und jetzt die zweite Mathe-Probe heute und die nächste ist geplant für irgendwann nach Ostern und da sollen sie jetzt das Einmaleins in 3,6,9 und 7 und… Langweilig? Echt jetzt? Dabei hab ich noch gar nichts von dem Story Writing Contest und Buchpräsentation gesagt… Na schön….

Dann gibt’s natürlich noch die Termine für die die Beteiligung der Eltern gefragt ist. Ah ja. Das ist natürlich wichtig, weil wir ja gewisse Arbeitsstunden ableisten müssen – sonst wird’s teuer (hab mich für nächste Woche eingetragen für: selbstgemachten play dough mitbringen, Obst mitbringen, Geschirr und Wäsche mitnehmen und daheim waschen und wieder mitbringen. Das gabs nur im Paket. Aber bringt 4h! Juhu!). Gut also, es stehen verschiedene field trips an, bei denen Eltern mitfahren können/müssen. Also ins Museum und Autorenlesung und Zoo und Theater… Dann natürlich nicht zu vergessen die Aktivitäten in der Schule: also aktuell der Fun Day und Walk-a-Thon und… ach nein. Dann kam ja gestern die Email, dass der Fun Day aufgrund des schlechten Wetters und angesagtem übel, heftigem Regen (hihi, das ist so nett! Heftiger Regen ist bei uns: äh, heftiger Regen! Hier heißt heftiger Regen: es scheint nicht den ganzen Tag die Sonne und es bildet sich – vielleicht – eine Pfütze, wenn es mal 30 Minuten genieselt hat) verschoben wird. Auf wann jetzt? Muss ich nachlesen. Hoffentlich finde ich die Email noch…

Viele mails beinhalten auch die Zugänge zu den diversen Informationsportalen: Also hier haben wir das Portal wo man gucken kann, was aktuell an Schulgeld zu zahlen ist (shit! Echt schon wieder?), die Noten von Johannes fürs Q3 einzusehen sind und die gebuchten Kurse, also Alex Fußball zum Beispiel. Dann gibt’s das Portal wo für Alex Kindergarten wöchentlich ein blog und Fotos drinstehen und die aktuellen Lieder und Reime für Begrüßung. Mittagessen, Abschied. Auch die slide Show der Elternabende und allgemeine Informationen. Dann haben wir noch den Zugang zum Hausaufgabenportal für Johannes, seinen Gmail account wo er seine Präsentationen macht. Dann wäre dann noch der Zugang zum Informatik-Online-Tool für die Programmiererei und nicht zu vergessen der Zugang zum Zehn-Finger-Tippen-Lern-System. Dann gibt’s für Matthias natürlich…

Wie, jetzt reichts? War grad so schön in Fahrt…

Menno.

Da gabs doch noch die Emails zum Spendensammeln, Änderung der Satzung, Erklärungen für die Field Trips, Krankmeldung, Elterncafe, Lehrer-Huldigungs-Kaffee usw.

Na gut!

Hör schön auf!

Ich freu mich übrigens immer über Emails, die nicht von der Schule kommen. Und ich antworte auch – wenn ich sie jemals finde – zwischen den ganzen SCHUL-EMAILS!!!!!!

Die drei „K“

Ja, also. Neben den Kindern und deren Transportaufgaben beschäftige ich mich (und sie mich) in der Küche.

Die phänomenale Ofensteuerung hatte Thomas ja schon mal gepostet. Diese Steuerung dient nur der Funktion des Backrohres. Ich hab mich also einfach erwartungsfroh bei der ersten geplanten Backtätigkeit an die verschiedenen Knöpfe gemacht und ausprobiert was passiert. Manchmal tat sich was. Manchmal nicht. Hm. Aber wenn sich was tut im Backrohr, dann sieht man auch hier quasi das „offene Feuer“. Ja – so ist das halt beim Gasofen. Macht mich irgendwie nervös, dass ich ins Backrohr gucke und sehe da unten das Gas lodern, aber so ist es wohl.

Jetzt habe ich in meiner vorausschauenden Art (Jawohl! Und hier wird jetzt nicht gelacht!) auch zwei Kochbücher in die Luftfracht gepackt: Das „Bayerische Kochbuch“ (Auslandserprobt! Hatte ich von meinen ehemaligen Kollegen bekommen, bevor wir nach Vermont gingen.) und das „Was koch ich heute?“. Beides vom Prinzip hilfreich, wenn da nicht diese verflixte Küche wäre.

Jetzt nehmen wir mal an, ich habe alle Zutaten gefunden (das ist noch ein anderes Thema…) und versuche zu Kochen und zu Backen:

Erstes Problem: Das nötige Werkzeug – Die Küche ist zwar im Prinzip ausgestattet, aber ein Schneidbrett war nicht zu finden, ebenso wenig ein Schäler. Walmart sei Dank, jetzt hamma das. Töpfe gibt’s auch. Aber kennt ihr das? Diese Billig-Töpfe-Schrott-Mistdinger? Schauen verdächtig normal aus, fühlen sich aber schon so komisch leicht an und – ich schwör ich hab nix gemacht – nach nicht mal vier Wochen war vom ersten Topfdeckel der Griff ab. Dann gibt’s genau einen größeren Topf… Uahhh! Was vermisse ich da meine zwei feinen großen Töpfe und eine einzige Pfanne. Auch dieses Billig-Pfannen-Schrott-Mistding wo jedes Essen, JEDES Essen anbrennt! Na also gut. Wir haben Werkzeug um zu schnippeln und Töpfe/Pfannen um zu Kochen.

Zweites Problem: Der Biomüll – Eigentlich sehr fein. Das eine Spülbecken hat einen über Schalter zu bedienenden Zerkleiner-Häcksler. Was weiß ich wie das heißt. Finden die Jungs super! Einfach Zeug ins Spülbecken, Knopf drücken, Ratter-ratter-zonk-häcksel und das Zeug verschwindet im Abfluss. Noch bisserl Wasser dazu und die Gemüse- und Eierschalen, Paprikainnenleben und Orangenschalen sind verschwunden. So die Theorie! Jetzt hat es sich aber so ergeben, dass ich erst so nach ein paar Tagen – na um ehrlich zu sein, erst nach zwei Wochen oder maximal drei – nachgelesen habe, WAS man so alles in den Zerkleiner-Häcksler werfen darf… Äh, ich sags jetzt mal so: Wir wissen inzwischen, dass das Ding ein Art Not-Aus hat. Also scheinbar schaltet es sich bei Überhitzung selber aus und man kann sowas wie ne Sicherung wieder reindrücken. Und ich weiß, dass man neben dem Ding unter der Spüle besser keine Papier- oder Pappschachteln haben soll (das wird verdammt heiß!) und wir haben jetzt einen der Pimpel, die eigentlich in dem kleinsten Raum des Hauses (da wo man alleine hingeht und sich setzt… Klar jetzt?) dauerhaft in der Küche deponiert. Weiß Gott ich kann nur beten, der war noch neu…

Drittes Problem: Maßeinheiten – Ach herrje. Es gibt in der Küche natürlich keine Waage. Warum auch? Alle Maßeinheiten sind in cups oder tablespoons angegeben. Also alle NICHT in meinen beiden Kochbüchern! Wer kocht auch schon mit 1/2 cups und 1/4 tablespoons? Das wusste ich natürlich schon vorher und was machen wir auch so einen Wirbel darum. Haben jetzt eine Umrechnungstabelle am Kühlschrank hängen und ehrlich: Das mit dem Lernen für Mathe hat sich erledigt, seit die Jungs immer Gramm in Cups umrechnen müssen! Prima eigentlich. Aber mich würde trotzdem noch interessieren, was ich bei der Geschichte falsch mache: Also ich hab dieses Ding (lecker Plastik und zum Zusammendrücken. Man sieht auch nach dem Geschirrspüler fast keine Überreste vom letzten Einsatz mehr. Ehrlich. Ich koch dann halt notfalls ohne Brille…). Jetzt versuch mal damit 3 cups Mehl abzumessen. Ich frag mich: Tunke ich den Plastik-Cup in die Mehlpackung? Oder Löffel ich das Zeug in den Cup rein? Und wieviel ist nochmal ein ganzer Cup? Welcher Rand zählt jetzt da? Außerdem schlabbern und wabbern die 1/2 Cup, 1/4 Cup immer mit rum oder ich muss die abmachen? Na, ich finde Augenmaß tuts auch…

Viertes Problem: Der Ofen – also jetzt nochmal im Detail. Das mit dem Rohr schreckt mich und ich versuche noch den Unterschied zwischen bake und broil herauszufinden und wie das mit meinem Kochbuch-Latein zu Ober-/Unterhitze und Umluft zu vereinbaren ist. Wie ich dem Backofen „Bei guter Mittelhitze…“ beibringen kann, ist mir auch noch ein Rätsel, aber seis drum. Kochen auf den Platten (mei Platten, was hätt ich die gern!) äh, Eisenhalterungen oben ist auch eine Herausforderung! Ja, ich weiß schon: Gas ist toll! Gas macht sofort heiß, wenn mans anstellt und ist sofort wieder kalt, wenn man es ausdreht! Aber hey, das hat mein Induktionsherd in Putzbrunn auch gekonnt! Grrrrr. Aber nicht lang meckern: Also Gas an: Knack-knack-wusch, Flamme da, Gestank auch! Topf drauf, bruzel-bruzel – angebrannt! Nochmal von vorne… Ich habe gelernt: Das wird echt schnell verdammt heiß. Auch der Rand vom Billig-Topf-Schrott-Mistding und auch die Plastikgriffe vom Billig-Topf….! Die Gasflamme geht von selber aus! Aber nur, wenn mal so ein bisschen Spaghetti-Wasser überläuft. Echt wenig! Und dann lässt sichs auch nicht mehr anmachen, bis das Wasser weggeputzt ist. Ich habe noch gelernt: Auch wenn ich dachte, keine KLEINEN Kinder mehr zu haben, ist „Echtes Feuer“ immer noch spannend für die Jungs und sie fingern ganz gern an den Gasflammen rum, findens toll, dass man an dem Knopf drehen kann und „die Flamme wird dann richtig groß, Mama!“ Argh! Hilfe! Schön, dass es in jedem Zimmer Rauchmelder gibt…

Aber was soll ich sagen: Wir sind noch nicht verhungert! Nehmen trotz allen Widrigkeiten täglich eine warme Mahlzeit zu uns – Lob an die Männer: Bisher haben sie alles gegessen, oder zumindest probiert, was ich gekocht habe…